Medizinische Hilfe in Peru
Projektziele
Ziel unserer Partnerschaft ist es, die medizinische Versorgung der Menschen in Chilca und San Antonio zu verbessern, da die Gesundheit die Voraussetzung für eine positive Entwicklung der übrigen Lebensbereiche ist. Medizinische Hilfe soll dabei v.a. auch in Bereichen ermöglicht werden, die vom SIS ("Seguro Integral de Salud" - Basisversicherung für Menschen in Armut und extremer Armut) vernachlässigt werden.
Die Unterstützung von Kampagnen und Programmen zur kostenlosen Behandlung und Beratung der Bevölkerung stehen im Vordergrund. Hierbei werden insbesondere Programme und Kampagnen mit präventivem Charakter unterstützt.
Umsetzung der Ziele des Projekts
Club "Las Semillas de Desierto Florido" für jugendliche Mütter
In San Antonio und Chilca sind ca. 25% der Schwangeren unter 18 Jahre alt. Auf die Initiative von Maribel Linares Felipe (Hebamme) und Alfredo Puertas Fernandez (Arzt) hin entstand in San Antonio ein Projekt für jugendliche Mütter, das unabhängig vom Gesundheitsministerium arbeiten soll. Ende 2006 sicherten wir dem neuen Projekt die Finanzierung zu. Die Ziele des Projekts sind, den Gesundheitszustand der jugendlichen Mütter und ihrer Kinder zu verbessern, außerdem das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit der minderjährigen Mütter zu fördern, sowie ihr Schwangerschaftsrisiko zu vermindern.
Umsetzung der Ziele: In den Jahren 2007 und 2008 haben sich die jungen Mütter wöchentlich mit der Hebamme Maribel Linares Felipe getroffen. "Lehrerinnen" aus dem Dorf, die regelmäßig an den Treffen teilgenommen haben, brachten ihnen verschiedene Handarbeitstechniken bei. Während der Handarbeiten führten die jungen Mütter mit Maribel Linares Felipe Gespräche zu medizinischen Themen, z.B. Ernährung des Kindes, Verhütung von Infektionskrankheiten, Familienplanung u.a. Das Erlernen von Handarbeiten soll die Mädchen befähigen, selbständiger und finanziell unabhängiger zu werden, ohne dabei ihre Kinder zu vernachlässigen. Außerdem soll sich dadurch das Projekt zunehmend selbst tragen.
Der "Club": Um eine stärkere Identifikation der Mädchen mit dem Projekt und einen stärkeren Zusammenhalt untereinander zu erreichen, haben sich die Initiatoren des Projekts und die Mädchen entschlossen, einen "Club" zu gründen. Da das Projekt von Desierto Florido e.V. getragen wird, haben sie den Namen "Las Semillas de Desierto Florido" ("die Samen von Desierto Florido") gewählt. Der Gruppe können alle Mütter bis zum Alter von 19 Jahren beitreten, die keinen Alkohol und keine Drogen konsumieren und ihre Lebensbedingungen positiv verändern wollen. Sie verpflichten sich zu gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Unterstützung, zu regelmäßiger Teilnahme an den Workshops, zu achtsamem Umgang mit dem Material und zur Ausführung der aufgetragenen Hausaufgaben. Außerdem verpflichten sie sich, regelmäßig die Vorsorge- und Impftermine für die Kinder wahrzunehmen, sich im "Seguro Integral de Salud" (Basisversicherung für Menschen in Armut und extremer Armut) einzutragen und ein Verhütungsmittel ihrer Wahl zu verwenden.
Eine Mitarbeiterin der Gesundheitsstation hat in San Antonio einen Teil ihres Hauses sehr günstig für die Treffen zur Verfügung gestellt. Nach ersten Planungssitzungen im Jahr 2006 begann die Arbeit Mitte Februar 2007 mit 18 Mädchen. Einige der jungen Mütter sind sehr eifrig bei der Handarbeit. Sie konnten inzwischen viele gestrickte Kleidungsstücke nicht nur für ihre eigenen Kinder herstellen, sondern auch im Dorf und in Lima verkaufen. Für die Bezahlung der Kursleiterinnen sowie die Material- und Nebenkosten wurden bisher etwa 200 Euro monatlich gezahlt.
Seit 2009 entsteht eine zweite Gruppe der "Semillas de Desierto Florido" in San José, einem wachsenden marginalen Viertel, das zu Chilca gehört. Abgesehen von der hohen Rate an jugendlichen Müttern erscheint eine Begleitung der Jugendlichen aufgrund der verbreiteten familiären Gewalt notwendig. Derzeit finden die Treffen in den Räumen der Gesundheitsstation statt, sodass sämtliche Spenden in die Materialkosten fließen. Eine Partizipation der jungen Mütter der Gruppe in San Antonio wird demnächst beginnen, sodass diese auch ihre Erfahrungen an die Mütter in San José weitergeben können.
Psychologische Betreuung der Kinder in der "Villa Infantil Federico Ozanam" in Chilca
In dem Kinderheim "Villa Infantil Federico Ozanam" leben derzeit 18 Kinder und Jugendliche, die wegen Gewalt, Missbrauch oder extremer Armut nicht mehr von ihren Familien versorgt werden konnten. Sie werden von vier sehr bemühten Menschen betreut, die jedoch keinerlei pädagogische Ausbildung für diese schwierige Aufgabe haben.
Die Psychologin Rosa Goicochea Ruíz hat von 2004 bis 2008 die Kinder psychologisch betreut und außerdem Fortbildungen für die Mitarbeiter angeboten, damit diese lernen, angemessener auf die zum Teil ausgeprägten Verhaltensstörungen und die Sorgen der Kinder einzugehen. Von November 2008 bis Mai 2009 hat die deutsche Kunsttherapeutin Dorothee Himpele im Rahmen eines Praktikums in der Villa Infantil gelebt und die Kinder therapeutisch begleitet. Die kunsttherapeutische Arbeit kann voraussichtlich ab Oktober 2009 durch die deutsche Kunsttherapeutin Angelika Frederking fortgesetzt werden. Für eine kontinuierliche Fortsetzung der psychotherapeutischen Arbeit suchen wir derzeit eine(n) peruanische(n) PsychotherapeutIn.
Die psychotherapeutische und kunsttherapeutische Arbeit wird sowohl in Einzelarbeit als auch in Gruppenstunden mit Kleingruppen durchgeführt, da so die Kinder auch gegenseitig voneinander lernen können. Aufgrund der teilweise schlimmen Erfahrungen, die diese Kinder bereits machen mussten, stehen die Arbeit an ihrem Selbstbewusstsein und das Erlernen von Strategien zur Bewältigung schwieriger Situationen sowie die Behandlung von Entwicklungsstörungen im Mittelpunkt.
Das Ziel dieser Arbeit ist eine positivere Entwicklung und eine bessere Bewältigung der Traumata der Kinder, da dies nicht nur auf ihren Werdegang, sondern auch auf ihr späteres Umfeld positive Auswirkungen hat. Die psychische Situation dieser Kinder wird von der staatlichen Gesundheitsversorgung und auch von den Trägern des Waisenhauses (die "Sociedad de San Vicente de Paul") vernachlässigt. Desierto Florido e.V. hat eine Aufwandsentschädigung für Rosa Goicochea Ruíz und die Materialkosten für die Kunsttherapie gezahlt.
Kampagnen, deren Finanzierung durch Desierto Florido e.V. bereits abgeschlossen wurde:
Projekt für Geburtsvorbereitung mit pränataler Stimulation des Kindes und Frühstimulation von Säuglingen und Kleinkindern im Centro de Salud, San Antonio
Die Initiative von Mitarbeitern der Gesundheitsstation entstand dadurch, dass viele der Kinder schwere Entwicklungsdefizite aufgrund von mangelnder Stimulation aufweisen. Sie kennen keine Spiele wie bei uns, durch die verschiedenste motorische, kreative, intellektuelle und soziale Fähigkeiten gefördert werden. Erschreckend ist es, zu sehen, dass viele Mütter kaum mit ihren Kindern sprechen, und einige Kinder werden gar über viele Stunden alleine gelassen.
Für die Behandlung der Mütter und ihrer Kinder wurden Einrichtungsgegenstände und Spielzeug, sowie ein DVD-Player für Kurse mit den Müttern und Mitarbeitern der Gesundheitsstation angeschafft. Durch eine Auswahl von verschiedenfarbigen Einrichtungsgegenständen und Spielzeug aus verschiedenem Material werden bereits z.B. das Farberleben und der Tastsinn gefördert. Die Wände wurden von den Mitarbeitern selbst gestaltet - erstmalig in einer Gesundheitsstation!
Regelmäßig treffen sich Gruppen von Schwangeren, Müttern mit Neugeborenen und Kleinkindern. Die schwangeren Frauen lernen neben der bei uns üblichen Geburtsvorbereitung durch verschiedene Entspannungsübungen sowie z.B. durch Musik eine Beziehung zu ihrem ungeborenen Kind aufzubauen, es überhaupt wahrzunehmen. Erschütternd ist Maribel Linares Felipes Bericht über die Arbeit: Einige Schwangere brachen während der ersten Sitzung in Tränen aus, weil sie noch nie wahrgenommen hatten, dass ihnen ihr werdendes Kind etwas bedeutet... unter ihnen waren auch Mehrgebärende! Die Menschen in San Antonio haben diese Arbeit so begeistert aufgenommen, dass mehrmals auch Geschwisterkinder mitgekommen sind und mitarbeiten wollten. ( Foto Gymnastik)
Die Behandlung der Kinder erfolgt in Gruppen gemeinsam mit den Müttern, damit diese einen liebevollen Umgang mit ihren Kindern erlernen und ein Gefühl dafür entwickeln, was ihr Kind für eine positive Entwicklung braucht. In den Gruppen der Säuglinge wird z.B. viel mit Massage gearbeitet, da hierbei ein Beziehungsaufbau zwischen Mutter und Kind geübt werden kann. So berichtete Maribel Linares Felipe, dass bereits bei der zweiten Sitzung einige Mütter viel mehr mit ihren Kindern gesprochen und ihnen ihre Liebe vermittelt haben. Außerdem profitieren auch Familien in ihrem Umkreis, die nicht direkt am Projekt teilnehmen können, indem die Teilnehmerinnen das Gelernte weitervermitteln.
Das Projekt in San Antonio erregte bereits die Aufmerksamkeit der peruanischen Medien. Das Gesundheitsministerium konnte vom Sinn der Arbeit so überzeugt werden, dass die Arbeit bereits im ersten Jahr auf andere Gesundheitsstationen in der Region ausgeweitet wurde... nun vom Gesundheitsministerium finanziert! Desierto Florido e.V. hat dabei auch die Einrichtung einer sehr kleinen Gesundheitsstation in dem Dorf Omas in den Anden unterstützt.
Weitere Kampagnen
Darüber hinaus wurden mehrere kleinere Kampagnen unterstützt, z.B. eine Kampagne für gesunde Ernährung auf dem Markt in Mala (der Nachbarstadt von San Antonio) und die Einrichtung eines Sprechzimmers für die Prävention und Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten, v.a. HIV.
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